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4. Immanuel Krebsforum für Betroffene und Interessierte
In der Sendung „Natürlich gesund“ bei Radio Paradiso spricht Prof. Dr. Diana Lüftner über das kommende 4. Immanuel Krebsforum mit Vorträgen, Beratung und Austausch für Betroffene und Interessierte.
Julia Nogli: Sie sind bei Radio Paradiso mit Natürlich gesund. Ich bin Julia Nogli und wir sprechen heute über ein Ereignis, das bald bevorsteht und schon fleißig von vielen Akteuren vorbereitet wird, nämlich das vierte Immanuel Krebsforum am Samstag, dem 25. April.
Und dabei sein wird auch Prof. Diana Lüftner, Chefärztin der Immanuel Klinik Märkische Schweiz in Buckow, Fachklinik für onkologische Rehabilitation und Onkologin in der Onkologischen Poliklinik am Standort Rüdersdorf der Medizinischen Hochschule Brandenburg. Und sie habe ich jetzt am Telefon. Hallo.
Prof. Diana Lüftner: Hallo Frau Nogli.
Julia Nogli: Ja, warum diese öffentliche Veranstaltung einen ganzen Tag lang für jeden Interessierten, jede Interessierte zum Thema Krebs?
Prof. Diana Lüftner: Ja, das ist ja sozusagen eigentlich ein Entgegenkommen an die Bedürfnisse der Bevölkerung. Wir wissen ja in Deutschland, jeder zweite Mensch, 50 Prozent der Bevölkerung statistisch gesehen, wird im Laufe seines Lebens an einer Krebserkrankung erkranken. Das ist also mit den Herz-Kreislauf-Erkrankungen diejenige Erkrankung, die einfach am häufigsten sind.
Das heißt, wir haben einen hohen Bedarf an Informationen. Und wir haben es ganz bewusst offen gelassen, da kann jederzeit frei hinkommen jeder Betroffene, also der selber erkrankt ist oder betroffen ist, weil ein Angehöriger erkrankt ist oder einfach jemand, der sich für Prävention interessiert und alles versuchen möchte, sich so zu informieren, dass er sein Erkrankungsrisiko reduziert.
Julia Nogli: Also dieses Projekt gesundheitliche Aufklärung einfach, was ja immer wichtiger auch wird. Welche Experten und Abteilungen werden so dabei sein?
Prof. Diana Lüftner: Naja, wir haben natürlich beide Standorte, den Standort Rüdersdorf wie auch die Immanuel Klinik irgendwie abgebildet. Mit den Dingen, die für die Lebensführung von Menschen wichtig sind. Als Beispiel bei Zustand nach Brustkrebs.
Wann brauche ich einen plastischen Chirurgen? Wie komme ich denn da ran? Was kann der eigentlich?
Oder die Hautpflege. Egal welche Krebserkrankungen man hat und hat eine entsprechende Antitumor-Therapie. Wieso ist meine Haut trocken?
Was kann ich da tun oder was sollte ich besser lassen? Immer wieder kommendes Thema die Ernährung. Untertherapie oder auch danach als sekundäre Prävention.
Und dann ganz abrundend vielleicht auch mal, wie rede ich eigentlich mit meinem Doktor? Welche Form von Vorbereitung kann ich selber machen, damit mein Arzt-Patientengespräch mir wirklich weiterbringt und ich alle meine Anliegen an den Mann oder die Frau bringe?
Julia Nogli: Vielleicht gehen wir die mal einzeln so ein bisschen durch, auch wenn es jetzt noch viel mehr Themen ja gibt. Ich glaube es sind 20 oder 30.
Prof. Diana Lüftner: Genau.
Julia Nogli: Plastische Rekonstruktion, Körperbild bei Brustkrebs. Hat sich denn da was verändert? Also ich hoffe wieder mal zum Positiven.
Prof. Diana Lüftner: Tatsächlich ist es so. Also die erste große Besserung ist ja, dass die meisten Frauen brusterhaltend operiert werden können. Also dass man nicht mehr die Brust an sich entfernen muss, sondern nur das tumortragende Gewebe, wie man es so schön nennt.
Jetzt kommt es halt darauf an, ist es eine große Brust mit dem kleinen Tumor, dann mag man das Defizit vielleicht gar nicht sehen. Aber bei einer kleinen Brust mit dem großen Tumor ist das halt so. Und da muss man sich von Anfang an Gedanken machen, will ich später eine Rekonstruktion?
Wie geht das eigentlich? Passt ein Implantat rein? Kann man das durch Eigengewebe machen?
Und die größte Neuerung, die die plastischen Chirurgen ja anbieten, ist die sogenannte Eigenfett-Transplantation. Da kann man ja so spaßig fast manchmal sagen, Fett haben wir doch meistens relativ viel als Möglichkeit zu transplantieren. Und kleinere Defekte können eben mit dem eigenen Fett gedeckt werden oder verbessert werden.
Da versuchen wir eben Beratung an die Betroffenen zu bringen.
Julia Nogli: Ist das auch was für jemanden, der vielleicht vor längerer Zeit schon operiert wurde und dass man das nochmal nach neuesten Standards ändert? Oder würde man da nicht nochmal rangehen?
Prof. Diana Lüftner: Doch, da würde man auf jeden Fall rangehen können. Wenn der Leidensdruck der Patientin das indiziert, kann man natürlich auch Dinge, die schon vor Jahren gemacht worden sind, nochmal verbessern. Das muss jetzt auch gar keine so große Defektkorrektur sein, sondern zum Beispiel auch nur Narbenkorrekturen.
Wenn irgendwas Richtung Achselhöhle zieht und deswegen die Beweglichkeit des Arms eingeschränkt ist. Es gibt ja viele Gründe, warum man eine Rekonstruktion oder eine Verbesserung herbeiführt. Das Alter der Patientin und die Dauer des zurückgelegenen Eingriffs spielen dabei eigentlich eine zurückgestellte Rolle.
Julia Nogli: Okay, da ist ja wirklich dann für jede Betroffene was, dahin zu gehen, den Vortrag zu hören und eben Fragen zu stellen. Ich habe irgendwo gelesen, sogar Untersuchungen werden angeboten?
Prof. Diana Lüftner: Genau, unser Spezialist, Herr Dr. von Fritschen, macht eine begrenzte Anzahl von Einzelberatungen wie eine kleine Sprechstunde.
Julia Nogli: Dann haben Sie es eben schon gesagt, Haut-, Schleimhaut- und Augenpflege würde man jetzt überhaupt nicht in Zusammenhang mit Therapie bei Krebs bringen. Warum ist denn das ein großes Thema?
Prof. Diana Lüftner: Naja, bei Krebserkrankungen machen wir ja Therapien, die die Zellteilung von vermeintlich verbliebenen Krebszellen reduzieren. In übergeordneten Worten, die stören die Zellteilung an sich. Und was macht die Haut, die in ihrer Zellteilung gestört ist?
Sie macht eine sogenannte Barrierestörung. Oder in anderen Worten, die Hautzellen und ihre Hornlamellen sitzen nicht mehr so schön dachziegelartig übereinander und das führt zu einem Wasserverlust. Und trockene Haut, die ist gerötet, die juckt und die stört.
Und deswegen ist medizinische Hautpflege in der Onkologie ein ganz großes Thema, um die Lebensqualität zu wahren.
Julia Nogli: Okay, und dann Ernährung. Das ist natürlich ein Klassiker, auch bei vielen Krankheiten, natürlich auch bei Krebs. Prävention dann unter der Therapie und auch später.
Ich glaube, Professor Michaelsen, der ja viel dazu auch veröffentlicht hat, wird dazu was sagen, der ja viel auch auf pflanzenbasierte Ernährung setzt. Haben Sie da schon eine Ahnung, in welche Richtung das gehen wird?
Prof. Diana Lüftner: Herr Michalsen ist wirklich unglaublich gut in der Erklärung und der Weiterbildung der Patienten. Er macht auch eine ganz gute Unterscheidung, dass Ernährung unter einer Therapie eine andere ist als danach, wenn der Mensch sozusagen wieder eigentlich gesund ist. Unter Therapie ist es manchmal nicht schlau, bestmöglich gesunde Therapie, die viel Ballaststoffe hat, zu sich zu nehmen, weil der Darm geärgert ist und er kann dann mit den Ballaststoffen nicht so gut zurechtkommen.
Dann mag es sein, sich eher ballaststoffärmer zu ernähren und dann, wenn die ganze Therapie wieder durch ist und man wieder gesund ist, wieder auf die gesunde Ernährung zurückzugehen, die ballaststoffreich ist, hoch an Fisch, weniger Fleisch, viele Ballaststoffe in Form von Obst und Gemüse, so die klassische mediterrane Kost. Er macht eine schöne Unterscheidung, dass es zwischen unter Therapie und danach nicht immer das Gleiche ist.
Julia Nogli: Und er wird wahrscheinlich wieder auch gut begründen, auch durch Studien, warum dies alles so sein soll und dass es nicht einfach nur eine Modeerscheinung ist.
Prof. Diana Lüftner: Nein, das ist einer derjenigen, der wirklich große international anerkannte Studien dazu gemacht hat und es auch wirklich perfekt darstellen konnte und auch entsprechend in Fachzeitschriften publizieren.
Julia Nogli: Und dann sagten Sie Arzt-Patienten-Kommunikation. Das finde ich auch interessant. Wie wird darüber berichtet?
Prof. Diana Lüftner: Nicht jeder Mensch kann immer mit jedem gut kommunizieren. Das ist wie in der normalen Welt auch. Wir trainieren ja unsere Studenten zunehmend für Kommunikationstechniken im Sinne von offenen Fragen stellen, Zusammenfassungen machen, nicht zu viel auf einmal zu transportieren.
Das ist die eine Seite. Und die andere Seite ist natürlich der betroffene Patient. Der kann sich auch vorbereiten.
Also was will ich unbedingt wissen? Was sind meine drei wichtigsten Themen? Die schreibe ich mir vorher auf, damit ich es dann im Eifer des Gefechtes nicht vergesse.
Wer kann mich begleiten, wenn ich irgendwie überfordert bin, weil ein zweites Paar Ohren einfach noch besser hört, wenn ich schon irgendwie abschalte. Das sind die wichtigsten Aspekte. Auch nachher, wenn man aus dem Gespräch rausgeht, Notizen machen.
Was habt ihr denn eigentlich gesagt?
Julia Nogli: Ja, das ist ja auch eigentlich wieder etwas, was jede und jeder interessant finden sollte. Das geht ja wirklich jeden an, in jeder Hinsicht. Nun sind es ja verschiedene Standorte.
Sagten Sie auch wirklich eine Menge an Vorträgen. Wenn ich jetzt bei dem einen Standort bin, da gibt es ja sogar Möglichkeiten, trotzdem von dem anderen, das wird übertragen teilweise, was mitzubekommen.
Prof. Diana Lüftner: Wir haben unsere zwei, ich nenne es mal so schön englisch, Keynote Lectures, also die wichtigsten Vorträge, die streamen wir zwischen den Standorten. Das heißt für die Themen Hautbarriere, Narbenpflege und natürlich, Herr Michalsen, die Ernährungsansätze in der Onkologie. Da ist es egal, ob man nach Buckow oder nach Rüdersdorf geht, weil die werden gestreamt, die sind auf beiden Standorten dann vorhanden.
Und dann kann man sich eben auch schon ausdenken, interessiere ich mich mehr für chronische Bluterkrankungen im Alter, das ist dann nur in Rüdersdorf, oder interessiert mich zum Beispiel mehr die Strahlentherapie bei Prostatakarzinom, das wäre dann bei uns in Bukow.
Julia Nogli: Okay, das werden wir auch verlinken, kann man auch bei uns bei www.paradiso.de das ganze Programm anschauen. 25. April ist das dann, geht ja stundenlang, da reicht es vielleicht auch, wenn man für zwei Stunden vorbeischaut.
Anmelden muss man sich nicht?
Prof. Diana Lüftner: Sie müssen sich nicht anmelden, außer wenn Sie wirklich eine Frage im Rahmen der plastischen Chirurgie haben, damit wir Sie zu entsprechenden Zeiten eintakten können.
Julia Nogli: Okay, nun sind Sie ja so in diesen Themen drin und berichten mir hier regelmäßig auch von neuen Forschungsergebnissen und Ansätzen in der Therapie. Da gibt es auch bei Brustkrebs neue Entwicklungen?
Prof. Diana Lüftner: Bei Brustkrebs, gerade bei frühem Brustkrebs, haben wir wirklich tatsächlich noch bessere Möglichkeiten, entsprechend dem Risiko der Patientin adaptiert zu behandeln. Wir haben Ergänzungen zu der normalen antihormonellen Therapie bei Patientinnen, die ein mittleres oder ein höheres Risiko haben, noch einen zweiten Wirkstoff dazuzugeben. Das nennt man CTK4-6-Inhibitor für zwei bis drei Jahre, sodass man insgesamt sagen kann, dass das Rückfallrisiko dieser Patientin noch mal deutlich reduziert werden konnte.
Auch das Gesamtüberleben dieser Risikopatientin verbessert werden kann, deswegen ist es wichtig, dass man sich da immer gut beraten lässt für diese Therapien. Und es kommen jetzt im Laufe des Jahres noch neue Substanzen dazu, die diese Therapien noch mal ergänzen und sogar bei gleichiger Risikoreduktion weniger aufwendig machen. Also richtig gute Ansätze in der Onkologie für Brustkrebspatienten.
Julia Nogli: Okay, ja und ganz vieles davon wird sozusagen vermittelt wie in einer Uni für Privatleute einfach so beim vierten Immanuel Krebsforum am 25. April. Ich wünsche Ihnen da viel Erfolg dabei, ist ja auch nicht zum ersten Mal, dass Sie das machen und einen guten Zulauf, das ist wohl so, oder?
Prof. Diana Lüftner: Ja, tatsächlich ist es so, wir haben immer sehr viele Interessierte, natürlich die entsprechenden Patientinnen und Patienten, die in der Klinik sind, aber auch aus der Bevölkerung kommen. Wir haben ja offene Häuser im wahrsten Sinne des Wortes, kann jeder kommen und der Zuspruch ist eigentlich sehr, sehr groß.
Julia Nogli: Ja, und wenn Sie auch vorbeischauen möchten in den Immanuel Kliniken Rüdersdorf und Märkische Schweiz am Samstag, dem 25. April, alle Infos zum Immanuel Krebsforum hier auf www.paradiso.de direkt bei der Sendung Natürlich Gesund. Einen angenehmen Abend für Sie mit Radio Paradiso.
Menschsein in der Immanuel Klinik Märkische Schweiz
Die Immanuel Klinik Märkische Schweiz ist eine Fachklinik für Onkologische Rehabilitation in Buckow mitten in der Märkischen Schweiz, aber nahe am Stadtrand von Berlin. Im Rahmen der onkologischen Rehabilitation gilt es, Betroffene zurück ins Leben zu begleiten.
Am Tag nach der Anreise werden die Patienten durch mich begrüßt, durch den Hausrundgang. Da führe ich durchs Haus, erkläre, welche Räume wo sind, was man beachten muss, welche Bekleidung in welchen Räumen günstig ist. Also so diese ganzen vielen tausend kleinen Dinge, die man nicht überall aushängen kann, die dann erzählt werden.
Die Möglichkeit, in so einem Haus sich wieder zu erholen, auch wieder, wie soll ich sagen, Lebensmut zu fassen, dass es weitergeht und dass es neue Möglichkeiten gibt, dass es Ressourcen gibt, die Ihnen dann auch hier aufgezeigt werden können. Das schafft man eben einfach nur zu Hause oder ambulant, denke ich, in dem Zusammenhang nicht. Mir macht es Spaß, in dieser Klinik zu arbeiten.
Mir macht es Spaß, die Sicherheit, die Lust und die Lebensfreude in den Augen unserer Patienten nach erfolgreichen, durchgeführten Rehabilitationen entdecken zu dürfen. Die Zeit, die wir hier für die Patienten haben und mit den Patienten verbringen, anders als im Akutkrankenhaus, das ist für mich ein ganz wichtiger Ansatz. Also ich habe 27 Jahre wirklich im Kliniken der Maximalversorgung gearbeitet und habe auch erlebt, dass unsere Kompetenz, so wie ich sie damals als uns definiert habe, eine Grenze hat.
Und dass es häufig nachher Probleme gibt mit dem Übergang und der optimierten Funktion. Und das wäre eigentlich das bestmögliche Ziel, aus der optimierten Maximalversorgung eine optimierte Reha, damit am Schluss das Beste rauskommt, was der Patient in dieser Situation sein kann. Mich als Küchenchef macht besonders stolz, dass wir hier in Bukow mit vielen regionalen Produkten arbeiten können.
Aus der Umgebung, aus der Uckermarkt zum Beispiel, mit Molkerei. Aus Bukow mit dem Bäcker zusammenarbeiten können. Dass die Produkte auf einem kurzen Weg hier zu uns kommen, immer frisch sind.
Das ist gerade für unsere Klientel der Patienten sehr, sehr wichtig. Das macht mein Team und mich sehr stolz. Dass also die Menschen niemals das Gefühl haben, dass hier ein Schema F was durchgezogen wird, sondern dass immer wieder geguckt wird und sie auch immer diese Erfolge haben.
Das ist ja ganz wichtig. Dass sie einfach auch mit einem Lächeln nach Hause gehen und das gehen sie auch. Hier wird so viel gelacht.
Das ist so ein tolles Arbeiten, trotz des ernsten Hintergrundes. Aber dass es eben auch wichtig für die Menschen ist. Dass man auch mal ein Stück die ganze Sache vergessen kann.
Dass man auch normal behandelt wird. Das ist für die Patienten immer ein ganz, ganz wichtiger Punkt. Mein persönlicher Wunsch für die Klinik ist, dass die Patientinnen und Patienten rausgehen und mehr von ihrer Erkrankung verstehen.
Dass sie die Erkrankung tatsächlich besser verstehen. Das ist die Grundlage, um auch später in der Nachsorge oder auch unter Therapie richtig zu agieren.
AGO 2025 | Metastasierter Brustkrebs: Chemotherapie mit/ohne zielgerichtete Substanzen
Ein Interview mit Prof. Dr. med. Diana Lüftner, Ärztliche Leiterin und Chefärztin in der Immanuel Klinik Märkische Schweiz. (Renate Haidinger für Brustkrebs Deutschland e.V.)
Mit freundlicher Genehmigung zur Verfügung gestellt von Brustkrebs Deutschland e.V..
Renate Haidinger
Liebe Frau Prof. Lüftner, liebe Diana, am letzten Wochenende war das AWO State of the Art Meeting der Arbeitsgemeinschaft gynäkologischer Onkologen, wo ihr die Neuigkeiten des letzten Jahres zusammengefasst habt und das in den Leitlinien sich widerspiegelt. Du hast zusammen mit Prof. Andreas Hartkopf das Thema oder Kapitel Chemotherapie mit oder ohne zielgerichtete Substanzen beim metastasierten Brustkrebs bearbeitet. Was gab es da Neues?
Prof. Dr. med. Diana Lüftner
Tatsächlich ist es ja so, dass die zielgerichtete Therapie durch die ständige Einführung neuer Substanzen ein ganz wichtiges Thema ist, immer auf der AGU und wir haben quasi unterschiedliche Gruppen von Biologien, die auch hier eine Veränderung in ihrer Therapieführung erfahren haben. Da haben wir die Hormonrezeptor positive Patientin, die BRCA somatisch oder Germline Palpitupatientin, also andere Selektion und wir haben die sogenannte Trippel positive Patientin, die also Hormonrezeptor positiv und Herzweihpositiv ist. Fangen wir mal mit dem einfachsten Thema an, bei der Hormonrezeptor positive Patientin in der Firstline metastasiert, bei Nachweis einer PISB-Kainismutation, die wir ziemlich leicht beurteilen können, haben wir demnächst auch in Europa das Inabolisib.
Das wird kombiniert mit Endokrinotherapie und Palvocyclib und verhindert, dass die Kurven, die Kaplan-Meyer-Kurven, die Überlebenskurven gerade am Anfang schnell abfallen. Wir haben deutliche Verbesserungen des progressionsfreien Überlebens und auch erste Signale für eine Verbesserung des Gesamtüberlebens. Die Substanz kann grundsätzlich, weil sie auf dem Markt in den USA ist, über einen Kostenübernahmeantrag an die Krankenkasse aus den USA importiert werden.
Wir haben aber die Aussicht, dass das sehr bald auch bei uns in Deutschland über die EMA verfügbar ist. Deswegen ist das Inabolisib reingekommen und auch die PISB-Kainismutation, die wir früher schon gemessen haben, kriegt jetzt noch mal einen ganz anderen Stellenwert. Die andere Substanz, die wir haben hatten, das Alpelisib, ist jetzt ein bisschen problematisch, wir müssen es aus Österreich holen.
Das dürfte weitestgehend mit der Einführung von Inabolisib ein bisschen nach hinten gestellt werden. Dann haben wir im Laufe des letzten Jahres ganz wichtige Daten gesehen und jetzt Vorsicht, wenn wir von erblichen Brustkrebs reden, sprechen wir ja immer von einer Keimbadenmutation, BRCA1 und 2. Man kann aber diese Eigenschaft auch nur im Tumor haben, man spricht dann von somatischem BRCA oder es gibt andere Mutationen, die genauso wichtig sind wie BRCA1 und 2.
Insbesondere das Pulp B2. To make a long story short, ist man somatisch nur im Tumor BRCA positiv oder hat man eine andere Keimbadenmutation Pulp B2, dann spricht man genauso gut auf Olaparib an, wie als hätte man eine Germline, also Keimbaden BRCA1 und 2 Mutation. Dafür gibt es jetzt mittlerweile wirklich gute Daten, das wird allerdings in Deutschland noch nicht so mit einer guten Penetranz gemessen.
Deswegen die Aufgabe, die wir haben, dass wir a, diese Testung beantragen und b, dann auch entsprechend das Olaparib einsetzen können. Und deswegen auch der Verweis der AGO, dass wir dieses ständige, ich messe hier und ich messe da und dann messe ich ein halbes Jahr wieder was anderes, dass wir das perspektivisch versuchen zu vereinfachen. Es ist fehleranfällig, dass wir von Anfang an für Marker, die sich nicht verändern, eine sogenannte Panel-Testung machen.
Wir sammeln gleich mal die wichtigsten Parameter ein, damit wir hier eine Strategie für die Gesamtbehandlung aufbauen. Die dritte Gruppe an Patientinnen, die ich vorhin geschildert habe, sind die sogenannten Trippel-Positiven, also Herzheid-Positiv und Hormonrezepter-Positiv. Da haben wir ja durchaus immer gearbeitet mit, wir fangen an mit Chemotherapie und zielgerichteten Antikörpern und dann machen wir als Erhaltungstherapie die Antikörper und eine antihormonelle Therapie dazu.
Das funktioniert gut, die Frage ist, kann man die antihormonelle Therapie nicht optimieren, indem man einen CDK4-6-Inhibitor noch dazu gibt. Die entsprechende Studie, die Patima-Studie, war in San Antonio vorgestellt worden und es gibt tatsächlich eine Verbesserung des progressionsfreien Überlebens. Vorsicht, da ist vorher nicht Chemotherapie gelaufen und dann wird, wenn die Chemotherapie beendet ist, der CDK4-6-Inhibitor dazugegeben.
Das bedeutet nicht unbedingt bessere Remission, weil die Remission kommt ja schon von der Chemotherapie. Aber die Zeit, wie nachher das lange gehalten wird, die ist deutlich verbessert. Dann haben wir natürlich noch gesehen, in der Situation der triple positive Patientin, dass wir gegebenenfalls sogar die Chemotherapie weglassen können.
Das ist die Detekt5-Studie aus Deutschland gewesen. Da hat man gesehen, die Frage gestellt, brauche ich Chemotherapie und eine Erhaltung oder kann ich gleich Chemotherapie weglassen und gleich mit einer ohne Chemotherapie starten, mit einer zielgerichteten Therapie und einer antihormonellen Therapie. Und man sieht, gerade dann, wenn man den CDK4-6-Inhibitor noch dazu tut, es war in dem Fall Libuzyklin, dass das wirklich ein verbessertes, progressionsfreies und Gesamtüberleben ergibt.
Das waren jetzt sozusagen die drei Kapiteln, jetzt kommt noch das große Sternchenkapitel dazu, nämlich die Einführung von Trastuzumab-Deruxtikan gleich nach der antihormonellen Therapie, ohne dass man noch eine konventionelle Chemotherapie dazwischen schieben muss. Das war vorher ja nötig, aufgrund der Studienkriterien der sogenannten Destiny-Brace-04-Studie. Jetzt mit den neuen Kriterien kann man gleich nach einer endokrinen Therapie, wenn die Patientin sogenanntes HER2-Low hat, also wenig HER2, oder sogar ALT-Low, ganz wenig HER2, mit dem Antikörper-Wirkstoff-Konjugat starten, was ja einen Gesamtüberlebensvorteil mit sich bringt.
Man braucht also keine Klimmzüge mehr machen und irgendwie noch so eine eigentlich nicht gewünschte Chemotherapie dazwischen schieben, die man eigentlich gar nicht machen will, weil man eigentlich eine Substanz einsetzen will, die einen Gesamtüberlebensvorteil macht. Kurzum, da haben wir jetzt die Situation, wenn man eine Chemotherapie macht und dann eine ADC gibt, das hat ein Doppelplus von der AGO. Wenn man keine Chemotherapie macht, ist das ein Plus.
Und für diese kleine Gruppe der ALT-Low, die kaum nachweisbare HER2, kann man Plus, Minus. Das sind 78 Patientinnen, also eine kleine Gruppe. Aber für die Frauen, die vielleicht eingeschränkte Therapieoptionen haben, ist das eine ganz wichtige Therapievorschlag, sofern der Pathologe sich sicher ist, dass das ALT-Low ist.
Das heißt, die Pathologen haben auch eine große Aufgabe, klar zu definieren, was ist Null, was ist Eins und was ist der Zwischen-ALT-Low. Das ist etwas, wo wir sicherlich noch arbeiten müssen. Aber das funktioniert, das haben uns die Pathologen auch zugesichert bei den entsprechenden Diskussionen in der AGO.
Renate Haidinger
Vielen herzlichen Dank für diesen Überblick. Es ist ja momentan, dass von Jahr zu Jahr so viel Neues insgesamt passiert, dass wir ja alle kaum noch hinterherkommen.
Prof. Dr. med. Diana Lüftner
Das ist wahr, man muss da schon dranbleiben.
Renate Haidinger
Genau, also vielen herzlichen Dank. Es war mir ein Vergnügen.
















